Aus dem Hasenbau ins Licht – Karins Schritt in die Sichtbarkeit
2. Februar 2026
Aus dem Hasenbau ins Licht – Karins Schritt in die Sichtbarkeit
2. Februar 2026

Sandra Mayer-Wörner

Nachklang Teil 1

 

Liebe Steffi,

merk dir diesen Moment mit Sandra Mayer-Wörner. Es ging nicht um das Spektakuläre, sondern um das, was still stark ist.

Diese Folge war nicht einfach. Nicht, weil Sandra schwierig war. Sondern weil du an dem Tag selbst weich warst. Traurig, überfordert, voll mit Eindrücken der letzten Tage. Und dann kam noch etwas dazu, was neu war: Du hast zum ersten Mal wirklich zur Musik gesprochen. Nicht nur als Übergang, sondern als Stimmung. Und plötzlich war alles näher als sonst.

Du hast mit Sandra gesprochen und solltest dir merken, warum dich das so gepackt hat. Weil sie nicht laut war. Weil sie nicht geprahlt hat. Weil sie nicht versucht hat, irgendwen zu beeindrucken. Sie hat einfach erzählt. Und genau das war beeindruckend.

Du erinnerst dich an ihre Kindheit, wie selbstverständlich sie in die Werkstatt gehört hat. Nicht, weil es jemand wollte, sondern weil sie es wollte. Neugier. Anfassen. Verstehen. Und dann dieses Bild mit der Laubsäge: So klein und doch so klar. Neugier ist oft früher da als jeder Plan.

Dann kam die Ausbildungszeit. Als einzige Frau. Du hast zugehört und gemerkt, wie viel zwischen den Sätzen steckt. Beobachtet werden. Bewertet werden. Mitlaufen müssen, ohne dass es jemand offen sagt. Sandra hat von Angst gesprochen, und du hast sofort verstanden: Angst ist kein Gegenbeweis für Stärke. Angst ist oft nur der Preis, wenn man etwas tut, das nicht für einen vorgesehen war.

Was du aus dieser Folge wirklich mitnimmst, ist nicht nur ihr Weg, sondern die Art, wie sie ihn gegangen ist. Nicht mit Applaus, sondern mit Argumenten. Nicht mit Sonderstatus, sondern mit Arbeit. Und du hast gemerkt, wie sehr dich das trifft, weil es so ehrlich ist. Weil so viele Frauen in solchen Berufen nicht nur fachlich liefern müssen, sondern sich zusätzlich permanent erklären, abgrenzen, klar bleiben. Und dabei ruhig wirken sollen, als wäre es leicht.

Du hast auch gehöret, wie sie über Respekt und Loyalität gesprochen hat. Und wie Freundschaften brechen können, wenn du dich veränderst. Das war einer dieser Momente, in denen du innerlich still geworden bist. Weil du weisst, wie weh das tut. Und weil du gleichzeitig weisst, dass es manchmal genau so passieren muss, wenn man aufhört, sich kleiner zu machen, damit es für andere bequem bleibt.

Schreib dir deshalb auf: Mut sieht oft nicht aus wie ein lautes Statement. Manchmal ist Mut einfach das, was übrig bleibt, wenn du Angst hast und trotzdem gehst. Und wenn du wieder mal denkst, du müsstest stärker, klarer, besser drauf sein für eine Aufnahme, dann erinnere dich an diese Folge. Du darfst auch traurig sein. Du darfst auch überfordert sein. Und trotzdem kannst du ein gutes Gespräch führen, wenn du wirklich zuhörst.

Und noch etwas: Diese Serie mit Sandra hat dir wieder gezeigt, warum Zimmer für zwei funktioniert. Weil es nicht um perfekte Geschichten geht. Sondern um echte. Um Frauen, die Spuren hinterlassen, ohne dass sie es selbst gross ankündigen. Du hast heute etwas verstanden, das du nicht wieder vergessen solltest: Es gibt Stärke, die leise bleibt, aber lange nachhallt.

Danke, dass du das aufgenommen hast. Danke, dass du drangeblieben bist, auch wenn du nicht in Hochform warst. Und danke, Sandra, dass sie dich in ihr Inneres blicken liess. Diese Folge war nicht nur ein Interview. Sie war eine Erinnerung.

Eure Steffi