Franziska jänecke

Was bleibt, wenn du dir folgst

27. April 2026
Franziska jänecke

Was bleibt, wenn du dir folgst

27. April 2026

Julia Guhl

Was bleibt ...

 

Liebe Steffi,

in dieser Podcastfolge war Jaulia bei dir zu Gast. Eine Frau, die nach dem Motto lebt: Ich passe in keine Schublade.

Und genau daraus ist eine Frage entstanden, die eigentlich viel größer ist als diese eine Folge: Warum wollen wir Menschen überhaupt in Schubladen stecken? Warum glauben wir, jemanden bewerten, einordnen oder kleinmachen zu dürfen, nur weil er anders lebt, anders fühlt, anders aussieht oder andere Entscheidungen trifft?

Wer gibt uns dieses Recht?

Ich glaube, jeder Mensch sollte sein Leben so leben dürfen, wie er es für richtig hält. Jeder sollte seinen eigenen Weg gehen dürfen. Jeder sollte auch seine eigenen Fehler machen dürfen. Denn genau daraus entsteht Leben. Daraus entsteht Erfahrung. Daraus entsteht Wachstum.

Und trotzdem gibt es Menschen, egal ob jung oder alt, die andere kleinmachen. Die spotten, urteilen, ausgrenzen, verletzen. Und irgendwann entsteht daraus Mobbing. Nicht nur ein dummer Spruch. Nicht nur ein schlechter Tag. Sondern ein Schmerz, der sich tief in einen Menschen hineinfressen kann.

Aber warum tun wir das?

Vielleicht, weil manche sich größer fühlen wollen, wenn sie andere kleiner machen. Vielleicht, weil sie mit sich selbst nicht im Reinen sind. Vielleicht auch, weil sie nie gelernt haben, dass Anderssein keine Bedrohung ist.

Dabei gibt es auf dieser Welt schon genug Dinge, die schwer sind. Genug Verlust. Genug Angst. Genug Momente, in denen Menschen an ihre Grenzen kommen. Und trotzdem tun wir uns gegenseitig zusätzlich weh.

Julia hat nicht nur Mobbing erleben müssen. Sie musste auch einen Verlust tragen, für den es kaum Worte gibt. Eine Fehlgeburt in der 21. Schwangerschaftswoche. Zwillinge. Zwei kleine Leben, auf die sie sich gefreut hat. Zwei Kinder, die zu ihrer Geschichte gehören, auch wenn sie nicht bleiben durften.

Das Leben war endlich auf einem positiven Weg. Und dann kam dieser eine Tag, an dem plötzlich alles zusammenbrach.

So etwas nimmt einem nicht nur den Boden unter den Füßen. Es nimmt einem für einen Moment auch den Glauben daran, dass es wieder hell werden kann. Und trotzdem hat Jaulia weitergemacht. Nicht, weil es leicht war. Nicht, weil der Schmerz einfach verschwunden ist. Sondern weil sie irgendwo in sich diesen Mut gefunden hat, weiter an sich zu glauben.

Später brachte sie noch zwei Kinder zur Welt. Zwei Kinder, die heute ihr Ein und Alles sind. Und auch wenn ihre Ehe sich irgendwann nicht mehr richtig angefühlt hat, hat sie irgendwann den Mut gefunden, ehrlich hinzuschauen. Sie hat Kraft gesammelt. Sie hat Hilfe angenommen. Und sie hat sich Stück für Stück wieder auf den Weg gemacht, um nicht nur zu funktionieren, sondern wirklich zu leben.

Liebe Steffi, du weißt selbst, wie es ist, gemobbt zu werden. Du weißt, wie es ist, wenn Menschen einen kleinmachen wollen. Du weißt auch, wie Verlust sich anfühlt. Wie weh es tut, wenn etwas nicht bleiben darf, obwohl man es sich so sehr gewünscht hätte.

Und du weißt, wie schwer es ist, um Hilfe zu bitten.

Denn genau daran scheitern so viele. Nicht, weil sie schwach sind. Sondern weil sie sich schämen. Weil sie glauben, sie müssten alles allein schaffen. Weil sie Angst haben, anderen zur Last zu fallen. Weil sie denken, Hilfe anzunehmen bedeutet, versagt zu haben.

Dabei ist genau das Gegenteil wahr.

Um Hilfe zu bitten, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Stärke. Es bedeutet, dass man sich selbst noch nicht aufgegeben hat. Es bedeutet, dass irgendwo noch Hoffnung ist. Und manchmal ist dieser eine Satz, „Ich brauche Hilfe“, der erste echte Schritt zurück ins eigene Leben.

Vielleicht ist genau das die leise, aber starke Botschaft dieser Folge.

Wir müssen nicht in Schubladen passen, um wertvoll zu sein. Wir müssen nicht alles allein schaffen, um stark zu sein. Und wir müssen uns nicht von anderen erklären lassen, wer wir sind.

Jaulia hat gezeigt, dass ein Mensch mehr ist als das, was andere über ihn sagen. Mehr als Mobbing. Mehr als Verlust. Mehr als eine gescheiterte Beziehung. Mehr als die dunkelsten Kapitel seines Lebens.

Sie steht heute da mit Narben, aber auch mit Mut. Mit Schmerz, aber auch mit Liebe. Mit einer Geschichte, die nicht einfach war, aber auch nicht dort endet, wo andere sie vielleicht schon abgestempelt hätten.

Und genau deshalb ist diese Folge so wichtig.

Weil sie daran erinnert, dass wir einander nicht kleinmachen sollten. Dass wir aufhören müssen, Menschen in Schubladen zu stecken. Dass Mobbing keinen Platz haben darf. Nicht in der Schule, nicht in Familien, nicht in Beziehungen, nicht im Alltag und schon gar nicht unter Frauen, die eigentlich wissen sollten, wie schwer das Leben manchmal sein kann.

Danke, Steffi, dass du Frauen wie Jaulia diesen Raum gibst.

Einen Raum, in dem sie nicht bewertet werden. Einen Raum, in dem sie erzählen dürfen. Einen Raum, in dem aus Schmerz vielleicht Mut für andere werden kann.

Und vielleicht bleibt nach dieser Folge genau dieser Gedanke:

Niemand muss in eine Schublade passen, um gesehen zu werden.

Deine Steffi