
Heilung beginnt, wenn jemand wirklich zuhört
20. Juli 2026
Heilung beginnt, wenn jemand wirklich zuhört
20. Juli 2026
Tabea Palmer
Was bleibt ...
Liebe Steffi,
heute hattest du ein Gespräch mit einer jungen Frau, die sehr viel in sich trägt.
Tabea hat dir heute einen Einblick in ihr Leben gegeben. In ein Leben mit Mobbing, Depressionen, Borderline, Selbstverletzung und Colitis ulcerosa. Und während sie erzählt hat, hast du gespürt, dass da so vieles ist, was gesagt werden möchte. Nicht alles kam sofort. Nicht alles fand gleich die richtigen Worte. Aber vielleicht musste es das auch gar nicht.
Tabea sagte, dass nicht jeder Tag ein guter Tag ist. Und vielleicht war heute genau so ein Tag, der sich einerseits gut angefühlt hat, weil sie sprechen durfte, und der trotzdem einen Hauch Schwere mitgebracht hat. Diese Schwere war da. Man konnte sie spüren. Aber sie hat das Gespräch nicht erdrückt. Sie durfte einfach mit im Raum sein.
Steffi, du hast Tabea heute die Möglichkeit gegeben, das auszusprechen, was sie aussprechen wollte. Ohne sie zu drängen. Ohne aus ihrer Geschichte mehr machen zu wollen, als sie selbst geben konnte. Und genau darin bist du heute wieder ein Stück gewachsen. Als Podcasterin, aber auch als Mensch.
Du hast das Gespräch geführt, aber du hast dich nicht hinter deinen Fragen versteckt. Du hast auch etwas von dir gezeigt. Nicht zu viel, nicht an der falschen Stelle, sondern genau so, dass dein Gegenüber spüren konnte: Ich sitze hier nicht alleine mit meiner Geschichte.
Und vielleicht war genau das heute wichtig.
Du hast gespürt, dass Tabea deine Sicherheit gebraucht hat. Vielleicht nicht bewusst. Vielleicht hätte sie es selbst gar nicht so gesagt. Aber sie hat sie angenommen. Sie hat sich auf das Gespräch eingelassen, obwohl es nicht leicht war. Und du hast ihr den Raum gehalten, auch dann, wenn Worte gefehlt haben.
Ihr habt über ein Leben gesprochen, das körperlich und psychisch unglaublich anstrengend sein kann. Über Operationen. Über Medikamente, die nicht so helfen, wie man es sich wünscht, und die trotzdem wichtig sind, weil es ohne sie noch schwerer wäre. Über den Wunsch, wieder arbeiten zu gehen, aber auch über das fehlende grüne Licht vom Arzt. Über dieses Warten, das so viel Kraft kostet, weil man innerlich längst weiter möchte, aber der Körper oder die Umstände noch nicht mitgehen.
Ihr habt darüber gesprochen, was Borderline für Tabea bedeutet. Wie es sich in ihrer Welt zeigt. Welche Symptome sie erlebt. Wie wichtig Therapie bei Depressionen ist. Und wie schwer, aber auch wie notwendig es sein kann, Hilfe anzunehmen. Nicht irgendwann. Nicht erst, wenn alles zusammenbricht. Sondern dann, wenn man merkt, dass man alleine nicht mehr weiterkommt.
Ihr habt auch darüber gesprochen, dass Selbstverletzung nicht immer nur das ist, was man von außen sehen kann. Dass Schmerz nicht immer sichtbar sein muss. Dass Menschen sich manchmal auch innerlich verletzen, durch Gedanken, durch Schuld, durch Härte gegen sich selbst, durch das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Und gerade deshalb war dieses Gespräch so wichtig. Weil es nicht einfach nur um Begriffe ging, sondern um das, was dahinter liegt.
Tabea hat dir erzählt, wie Freundschaften und Partnerschaften zerbrechen können. Wie vorsichtig man mit Vertrauen wird, wenn man zu oft verletzt wurde. Aber auch, wie wichtig es bleibt, Liebe wieder zuzulassen. Nicht naiv. Nicht blind. Sondern irgendwann wieder mit dem leisen Glauben daran, dass das Leben auch gute Menschen bereithalten kann.
Und genau das macht Tabea aus.
Sie hat schwere Themen mitgebracht, aber sie ist nicht nur ihre Diagnosen. Sie ist nicht nur das, was ihr passiert ist. Sie ist eine junge Frau, die aufklärt. Eine junge Frau, die Mut zeigt. Eine junge Frau, die weiterkämpft, auch wenn es Tage gibt, an denen die Worte fehlen. Vielleicht gerade dann.
Steffi, du wächst mit jedem Gespräch. Nicht, weil jedes Gespräch perfekt ist. Nicht, weil immer alles leicht läuft. Sondern weil du lernst, Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Weil du ihnen nicht vorschreibst, wie sie erzählen sollen. Weil du ihnen eine Bühne gibst, ohne sie auszustellen.
Heute hast du wieder gespürt, warum es diesen Podcast gibt.
Nicht für glatte Geschichten. Nicht für einfache Antworten. Sondern für echte Menschen. Für ehrliche Momente. Für Gespräche, die nicht laut sein müssen, um etwas zu bewegen.
Danke, dass du diesen Raum öffnest.
Danke, dass du zuhörst.
Danke, dass du Menschen wie Tabea sichtbar machst.
Deine Steffi

