
Wenn Schmerzen endlich einen Namen bekommen
29. Juni 2026
Wenn Schmerzen endlich einen Namen bekommen
29. Juni 2026
Felice Meer
Was bleibt ...
Liebe Steffi,
was war das heute bitte für ein Tag?
Schon bevor die Aufnahme überhaupt richtig losging, war irgendwie der Wurm drin. Dir ist ständig irgendetwas heruntergefallen, du hast Dinge umgeworfen, musstest zwischendurch kleine Katastrophen beseitigen und dann kam auch noch diese Hitze dazu. Im Dachstudio hätte man wahrscheinlich nicht aufnehmen, sondern direkt Spiegeleier braten können. Also hast du kurzerhand alles ins Wohnzimmer verlegt, weil es dort wenigstens ein bisschen erträglicher war.
Und dann saß da plötzlich Felice Meer.
Ich weiß, wie aufgeregt du vorher warst. Nicht, weil du deinen Podcast nicht kannst, sondern weil Felice für dich schon eine besondere Gästin war. Eine Frau, die man kennt, die etwas zu erzählen hat und bei der man natürlich möchte, dass alles gut läuft. Und genau dann passiert natürlich erst ein Versprecher, dann wird vergessen, auf Aufnahme zu drücken, und für einen kurzen Moment denkt man nur: Das kann doch jetzt nicht wahr sein.
Aber genau das war am Ende gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Felice hat es so entspannt genommen, ihr habt darüber gelacht, und irgendwann war dieser rote Aufnahmeknopf fast schon ein eigener Running Gag. Es hatte etwas sehr Menschliches. Und vielleicht war genau das der beste Einstieg in dieses Gespräch. Nicht glatt, nicht perfekt, aber echt.
Felice hat so viel erzählt. Von ihren Wanderungen, von Kunst, vom Leben, von Begegnungen, von Frau G. und natürlich von Menno, dem blauen Drachen. Und trotzdem fühlt es sich falsch an, das einfach nur aufzuzählen, weil in diesem Gespräch viel mehr lag. Da waren Gedanken, bei denen man hängen bleibt. Da war Humor. Da war Tiefe. Und da war diese besondere Art von ihr, Dinge zu sagen, ohne sie größer machen zu müssen, als sie sind.
Ich fand es einfach schön, ihr zuzuhören. Mit ihr zu lachen. Und auch später noch über manche Sätze nachzudenken. Einiges aus diesem Gespräch werde ich sicher mitnehmen. Vor allem die Sache mit den Schuhen, die man im zweiten Schritt neben die Couch stellt. Wer die Folge gehört hat, weiß sofort, was gemeint ist. Genau solche kleinen Bilder bleiben manchmal mehr hängen als die großen Lebensweisheiten.
Besonders berührt hat mich, wie Felice über Menno gesprochen hat. Da war sofort dieses Strahlen in ihren Augen. So warm, so liebevoll und gleichzeitig so spielerisch, dass man direkt versteht, warum dieser kleine blaue Drache für sie so wichtig ist. Und ganz ehrlich: Wer hätte nicht gern so einen kleinen Freund auf der Schulter, der ein bisschen Humor ins Leben bringt?
Vielleicht muss man nicht an etwas Bestimmtes glauben, um sich begleitet oder geschützt zu fühlen. Vielleicht reicht manchmal auch der Gedanke, dass da etwas ist, das einem Mut macht. Oder die Entscheidung, einfach loszugehen, auch wenn man nicht weiß, was unterwegs passiert.
Und Felice ist losgegangen. Immer wieder. Mit Rucksack, mit offenen Augen, mit ihrem eigenen Tempo. Mehr als 7000 Kilometer zu Fuß. Jedes Jahr mehrere Monate unterwegs. Aber sie hat eben auch erzählt, dass man lernen muss, auf den eigenen Körper zu hören. Dass Aufgeben nicht immer Scheitern ist. Manchmal ist es sogar klüger, rechtzeitig aufzuhören, als sich selbst zu übergehen.
Auch wie sie über den Tod ihrer Mutter gesprochen hat und wie sie diesen Verlust auf ihrem Weg verarbeitet und in ihrem Buch festgehalten hat, hat mich bewegt. Nicht, weil es dramatisch erzählt war, sondern weil es ehrlich war. Ruhig. Offen. Und genau deshalb stark.
Und dann war da noch dieser eine private Moment, den du mit deiner Frage rausgekitzelt hast. Das war schon ziemlich geschickt von dir. Man hat gemerkt, dass Felice sich darauf eingelassen hat, und am Ende hattet ihr genau deswegen noch einmal richtig viel Spaß. Solche Momente kann man nicht planen. Die entstehen nur, wenn das Gespräch Vertrauen hat.
Danke, Felice, dass du so offen warst. Danke, dass du uns ein Stück auf deinen Weg mitgenommen hast. Nicht nur auf deine Wanderungen, sondern auch in deine Gedanken, in deine Erinnerungen und in deine Art, aufs Leben zu schauen.
Und Steffi, ich hoffe, du hast heute trotz allem gespürt, was du da machst. Auch wenn vorher alles chaotisch ist. Auch wenn es heiß ist. Auch wenn Technik, Raum und Alltag nicht mitspielen. Sobald du in diesem Gespräch bist, bist du ganz da. Du hörst zu. Du lachst. Du fragst nach. Du gibst deinem Gegenüber Raum.
Genau deshalb ist „Zimmer für zwei“ so besonders.
Nicht, weil alles perfekt läuft. Sondern weil es echt ist.
Sei stolz auf dich. Wirklich. Und nimm die lieben Worte an, die dir Menschen sagen. Es gibt so viele, die diesen Podcast mögen, weil sie spüren, dass da Herz drinsteckt.
Deine Steffi

