Sarah Sapienza

Wenn Schmerz ein Leben verändert

22. Juni 2026
Sarah Sapienza

Wenn Schmerz ein Leben verändert

22. Juni 2026

Rosalie

Was bleibt ...

 

Liebe Steffi,

heute saß eine junge Frau in deinem Podcast, die dich vermutlich an eine Version von dir selbst erinnert hat. An dein Leben vor vielen Jahren. An diese Zeit, in der starke Menstruationsschmerzen nicht einfach nur ein paar schlechte Tage waren, sondern ein Teil deines Alltags. An Arzttermine, an Unsicherheit, an das Gefühl, immer wieder erklären zu müssen, dass da etwas nicht stimmt.

Rosalie kennt diesen Weg auch.

Sie hat lange gekämpft, bis sie endlich Antworten bekam. Rund zwanzig Ärztinnen und Ärzte hat sie aufgesucht. Zwanzigmal Hoffnung. Zwanzigmal erzählen, erklären, aushalten. Und irgendwann endlich zwei Diagnosen: Adenomyose und Lichen sclerosus.

Das allein sagt schon viel über sie. Nicht, weil Krankheit einen Menschen stärker machen muss. Sondern weil es Kraft braucht, so lange bei sich zu bleiben, wenn der eigene Körper schmerzt und man trotzdem weiter nach einer Erklärung sucht.

Rosalies Geschichte beginnt früh. Schon als kleines Kind stand sie im Ballettsaal, später beim rhythmischen Turnen. Sie wollte das. Sie hatte Freude daran. Sie hat trainiert, an Wettkämpfen teilgenommen und gleichzeitig versucht, einfach Kind zu sein. Doch wer früh Leistungssport macht, lernt auch früh, auf den eigenen Körper zu achten. Manchmal früher, als es gut wäre.

Als die Beschwerden schlimmer wurden und klar war, dass Ballett so nicht mehr weitergehen konnte, kam Musical in ihr Leben. Und dort fand sie etwas, das nicht nur Ersatz war. Sie fand eine Bühne, auf der sie sich wieder richtig fühlte.

Auch wenn ihr Weg schwerer war, als er hätte sein müssen, hat sie ihren Wunsch nicht aufgegeben. Sie möchte Musicaldarstellerin werden. Sie hat sich an Schulen beworben, sie kämpft weiter dafür und sie nutzt gleichzeitig ihre eigene Erfahrung, um anderen Frauen zu helfen. Mit Videos, mit Social Media, mit Beckenbodenübungen und mit Aufklärung für Frauen, die vielleicht gerade genau dort stehen, wo sie selbst lange stand.

Und vielleicht ist genau das der wichtige Punkt dieser Folge: Rosalie erzählt keine perfekte Heilungsgeschichte. Sie erzählt von einem Leben mit Diagnosen, mit Grenzen, mit Schmerzen, aber auch mit einem Traum, der geblieben ist.

Auch du weißt, was es bedeutet, den eigenen Körper nicht mehr einfach ignorieren zu können. Du hast selbst Entscheidungen treffen müssen, die niemand leichtfertig trifft. Deine Gebärmutter entfernen zu lassen, war kein kleiner Schritt. Es war ein Schritt in Richtung eines schmerzfreieren Lebens.

Heute klärst du mit deinem Verein über Endometriose und Adenomyose auf. Du machst sichtbar, was viel zu lange klein geredet wurde. Und mit Gästinnen wie Rosalie zeigst du, dass es nicht die eine Geschichte gibt. Nicht den einen Verlauf. Nicht die eine Art, krank zu sein. Jede Frau bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Symptome, ihre eigenen Kämpfe und ihre eigenen Entscheidungen mit.

Ihr beide könnt stolz auf euch sein.

Nicht, weil ihr alles leicht genommen habt. Sondern weil ihr es öffentlich macht. Weil ihr anderen Frauen Worte gebt für etwas, das sie vielleicht selbst noch nicht einordnen können. Weil ihr zeigt, dass Schmerzen ernst genommen werden müssen. Und weil ihr Frauen Mut macht, weiter nach Antworten zu suchen.

Danke, dass du solchen Geschichten Raum gibst.

Und danke an Rosalie, dass sie ihre Geschichte erzählt hat.

Deine Steffi